Rotarua – Blubbernde Schlammpfützen und Schwefelgeruch

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Ein regnerischer Tag in Rotorua. Die dichte Wolkendecke verstärkt den starken Geruch nach faulen Eiern nochmals, da die Luft nicht so gut zirkulieren kann. Schwefelbecken, natürliche heiße Quellen, eine Wunderlandschaft vulkanischen Ursprungs. Mit dem strengen Geruch lernte man hier zu leben, genauso mit den Dämpfen, die über der Stadt hängen, der feuchten Wärme das ganze Jahr über und überhaupt: das alltägliche Leben ist nicht nur gut auf die natürlichen Gegebenheiten angepasst, es macht sich diese auf clevere Weise zu Nutzen. Einen kleinen Einblick erhaschen wir im Maori-Dorf Te Puia in Whakarewarewa.

 

Eingang in das Maori-Dorf in Wakarewarewa

Eingang in das Maori-Dorf in Wakarewarewa

Durch ein großes Tor, die Säulen bedruckt mit Namen von ehrhaften Stammesvorfahren, und über eine Brücke gelangt man in das Dorf des Maori-Stammes Te Arawa. Wir betreten hiermit ein ca. 60 Hektar großes Areal: ein einziges Wunderwerk der Natur! Es dampft und stinkt. Der Regen tut sein Übriges zu der ohnehin schon hohen Luftfeuchtigkeit. Doch hier sind dies Alltagsbedingungen: seit mindestens 700 Jahren leben die Menschen direkt auf dem dampfenden und brodelnden Fleckchen Erde. Zwischen den Häusern stecken Plastikrohre im Boden, die die Hitze und den Dampf ableiten sollen, um zu verhindern, dass sich ein Stau unter der Oberfläche bildet und sie aufplatzt. Ein Haus steht leer: die Familie musste ausziehen, weil sich unter ihrem Heim genau so etwas abgespielt hat. Das muss ganz schön warm geworden sein in der Bude. Eine zusätzliche Heizung brauchen die Hütten hier sicherlich nicht. Auch die Dusche sparen sich die Maori: über ein Netz von Kanälen werden aus den heißen Quellen täglich frische Bäder eingelassen. Ähnlich wie im alten Rom ist dies dann Treffpunkt der Familien, Ort um wichtiges zu besprechen, einen Konflikt auszudiskutieren, einen Tratsch zu führen. Die Haut nach so einem Schwefelbad ist wunderschön glatt und rein.

 

Nicht ohne Grund nennen die Maori ihr Whakarewarewa Valley ein Geschenk Gottes- auch einen Herd kann man sich in diesem Dorf sparen. Den zentralen Schwefelpool könnte man auch die „Großküche des Dorfes“ nennen. In diesem 170-200°C heißen Wasser kocht Gemüse innerhalb von wenigen Minuten. Unsere Maiskolben hängen für nur drei Minuten in einem Leinenbeutel im dampfenden Bad und sind danach KÖSTLICH! Ich bin kein allzu großer Fan von Mais, aber das hier war phantastisch! Und ich bin mir sicher: jedes Mal wenn ich nun am Herd stehe und auf das Garwerden des Maiskolben im brodelndem Topf warte, werde ich an diesen Ort zurück denken, wo man innerhalb von Minuten einen großen Ansturm Freunde, Verwandte oder Touristen mit leckerem Gemüse beglücken kann.

 

Das Highlight ist für viele Besucher der Geyser Pohutu. Die größte aktive heiße Fontaine der südlichen Hemisphäre, und noch dazu sehr zuverlässig, bis zu zwanzig Mal am Tag schießt das Wasser in die Höhe.

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Trampelpfade führen uns weiter zu den blubbernden Schlammlöchern. Gase und Dämpfe aus dem Erdinneren lösen beim Aufsteigen zur Erdoberfläche Mineralien aus dem Boden und in Regenwasserbecken bildet sich die Ton-Art Kaolin. Je nach Niederschlägen ist der Schlamm flüssig und blubbernd oder fest. In einigen anderen Schlammbädern dieser Region kann man ein wohltuendes Bad nehmen und die Wellness-Angebote sind zahlreich. Wir bleiben beim Bestaunen der springenden Schlammkleckse, ein lustiges Spiel!

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Über den Autor

…hat gerade ihre Winzerausbildung beendet und reist jetzt ein Jahr um die Welt, besucht Weinregionen, Weingüter und die Menschen, die hinter diesen Weinen stehen. …freut sich besonders auf vielseitige Erfahrungen, leckere Weine, faszinierende Natur und schöne Wanderrouten. …liebt es außerdem mit den Händen Rotweinmaische zu rühren und wird hier ihre schönsten Momente mit euch teilen !

2 Kommentare

  1. Von solchen heißen Dampf- und Schlammbädern, in den Alltag integriert, habe ich noch nie gehört. Welch anderes Leben ist das dort! Kann man sich kaum vorstellen, aber du beschreibst alles total gut, liebe Hannah, und bist immer blendend informiert. Alle Achtung!
    Deine Großmami

  2. Ich bin auch immer gespannt auf deine neuen Berichte mit den sprechenden Fotos. Danke sehr!!
    Annette