Neuseelands erstes Bio-Weingut. Sonntagsbesuch in Gisborne

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Am sonnigen Sonntagvormittag treffen wir in Gisborne ein. Die Kleinstadt liegt im östlichsten Distrikt Neuseelands am Bay of Poverty. Die Menschen hier sind die ersten, die jeden neuen Tag die Sonne über den Meereshorizont klettern sehen können.

 

Weinregion Gisborne

Das Inland ist hügelig, meist landwirtschaftlich genutzt, viele Schafe und Kühe, große Flächen sind bewaldet. Eine Bergkette (höchster Punkt 1620m/üNN) zieht sich von Norden nach Süd-Westen und schützt die Region an der Pazifik-Küste vor schlechtem Wetter. Ein trockenes, warmes mediterranes Klima ermöglicht gut gelingenden Weinanbau. 23 Weingüter teilen sich hier eine Fläche von 1.900ha.

 

Biodynamisches Weingut Millton

Mein Winetraveler-Mobil lenke ich an diesem strahlenden Morgen zum Weingut Millton. Ein biodynamisch wirtschaftendes Weingut, nein, eigentlich vielmehr DAS biodynamische Weingut Neuseelands. Im Jahr 1984 kamen die heutigen Besitzer Annie und James Millton mit Weinwissen aus Frankreich und Deutschland wieder in ihre Heimat zurück. Zwar wurden die ersten Reben schon im 19. Jahrhundert von Siedlern nach Neuseeland gebracht, doch verhinderten Alkoholverbote und strenge Weingesetze den Weinausbau im großen Stil. Das Paar übernahm Flächen von ihren Vorfahren, legte neue an und vergrößerte das Weingut auf die heutigen 30 Hektar. Millton war das erste Weingut in Neuseeland, das die Bio-Zertifizierung BioGro erhielt (1989). Seit ein paar Jahren gehört Millton nun auch zu den Demeter-Betrieben. James Millton setzt sich sehr aktiv für Zertifizierungen von Bio-Betrieben und Zusammenarbeit von biologisch-wirtschaftenden Weingütern in Neuseeland ein.

 

 

Philosophie und Eindruck

Before A Wine Can Be Great, It Must First Be True.

Der Fokus der Arbeit liegt auf der Traubenentwicklung im Weinberg. Das Lesegut muss von Erster Klasse sein, damit man später im Weinkeller keine großen Eingriffe vornehmen muss. Die biodynamische Arbeitsweise schließt den Einsatz von Insektiziden, Herbiziden und Pestiziden aus, dafür werden natürliche Präparate und Tees im Weinberg ausgebracht. Das ist sicher keine leichte Aufgabe, doch wird Winzer und Weintrinker am Ende belohnt:

Bei sommerlichen Temperaturen sitzen wir im Garten des Weinguts und genießen Wein und Käseplatte. Die Weine schmecken besonders: alle Weine sollen angenehme Essensbegleiter sein, wird uns erklärt, und haben daher eine animierende Säure und einen vollen Körper, oft mit etwas französischem Eichenholz unterstützt.

‚Crazy by Nature‘ heißen die Estate-Weine. Der Shotberry Chardonnay mit dem bunten Etikett riecht intensiv nach Haselnuss, Karamel und Nougat, nach einer Weile kommt frischer Pfirsich und saftige Birne durch. Am Gaumen erfrischen eine leichte Kohlensäure und der Geschmack von Litschi. Im Nachgeschmack ist das Holz sehr präsent, wodurch sich der Wein auch zu kräftigeren Speisen eignet. Wir genießen ihn an diesem Vormittag genauso wie die fröhliche Gruppe Neuseeländer am Nachbartisch zu unserer leckeren Käse-Frucht-Platte. Ein hervorragender Start in den Tag!

 

 

 

 

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Über den Autor

…hat gerade ihre Winzerausbildung beendet und reist jetzt ein Jahr um die Welt, besucht Weinregionen, Weingüter und die Menschen, die hinter diesen Weinen stehen. …freut sich besonders auf vielseitige Erfahrungen, leckere Weine, faszinierende Natur und schöne Wanderrouten. …liebt es außerdem mit den Händen Rotweinmaische zu rühren und wird hier ihre schönsten Momente mit euch teilen !

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