Impressionen der Weinlese – Teil 1

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Arbeitsplatz und Aufgaben

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McLaren Vintners- Weinverarbeitung im Lohn.

6250t Trauben wurden in diesem Jahr mit LKWs, Traktoren, Pickups, und Traubenwagen auf den Hof in der Nähe von McLarenVale gefahren. Eine Rekordmenge, für die der Keller eigentlich gar nicht ausgelegt ist. McLarenVintners ist eine Großkellerei, die Wein im Lohn ausbaut. Die Kunden -Weinbergsbesitzer- liefern ihre Trauben zum Entrappen, Einmaischen oder Pressen ab und können später dann den fertigen Wein vom Abfüller gleich neben an abholen und selber vermarkten. Manche Kunden kommen häufig in den Keller und treffen Entscheidungen selber, andere lassen den Oenologen freie Hand.

Ich habe als sogenannte ‚Cellar Hand‘ für drei Monate in diesem großen Keller gearbeitet. Jetzt ist es Zeit für ein paar Impressionen und Erzählungen.

 

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Das Team: 30 unterschiedliche Menschen, weiblich- männlich, mit und ohne Weinerfahrung, aus Australien und dem Rest der Welt, von 19 bis 50 Jahren- in den zweieinhalb Monaten verbringen wir über die Hälfte der Zeit gemeinsam bei der Arbeit und auch in der Freizeit. Viel Spaß, interessante Gespräche, gegenseitiges Helfen- wo immer es geht, Austauschen von Erfahrungen, Aufmuntern, wenn es jemandem im Team mal nicht so gut geht, Tipps geben, mit einander lachen, gemeinsam Probleme lösen. All dies hat uns große Gruppe enorm zusammen geschweißt. Freundschaften, die für immer bestehen. An dieser Stelle ein großer Dank an jeden einzelnen. Ihr seid wunderbar!

30 different people: male and female, with and without wine-experience, local and from the rest of the world, 19 until 50 years of age. In these two month we spend more than half the amount of time together- no matter if at work or after. A lot of fun, interessting conversations, helping out eachother whenever possible and needed, exchange of knowledge, pick eachother up if feeling low, giving advices, laugh together, solve problems. All these things made us beeing an awesome team. Friendships that will exist for ever. Thank you all for this awesome time. You are amazing! xx

 

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Lesegut: Die Trauben wurden meistens mit dem Vollernter gelesen und in diesen Boxen zur Verarbeitung abgeliefert. Der Tagesrekord lag über 300t. Die Mengen einer Lieferung variieren von fünf bis 40t.

 

 

Vorklärung: Nach dem Abpressen der Weißweintrauben wird der Most mittels Flotation vorgeklärt. Dies war eine meiner Hauptaufgaben während der Lese. Mit einer speziellen Pumpe fügt man dem Most Stickstoff bei, der Trubstoffe an die Oberfläche der Flüssigkeit transportiert (mittleres Bild), sodass man nach ein paar Stunden den klaren Most von unten abziehen kann.

 

 

Hefeansätze: Ein großer Bestandteil der Arbeit vorallem für unseren Freund aus Italien waren Hefeansätze. Hefen vermehren sich bei einer bestimmten Temperatur. Nachdem die Vermehrung begonnen hat, ‚füttert‘ man sie mit Zucker indem man Traubensaft hinzugibt und senkt damit gleichzeitig Schritt für Schritt die Temperatur des Hefeansatz um einen Kälteschock zu vermeiden.

 

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Gärkontrolle: Zwei- bis dreimal am Tag werden alle gärenden Moste mit dem Biegeschwinger auf Temperatur und Zuckergehalt untersucht. So kontrolliert man den Verlauf der Gärung, kann auf Temperaturschwankungen reagieren oder gegebenenfalls Nährstoffe zur Unterstützung der Hefen hinzugeben. In Australien wird das Mostgewicht in °Baume angegeben. 100° Öchsle entsprechen 13 °Baume.

 

Offene Maischevergärung: In den großen offenen Maischebehältern vergären die hochwertigen Rotweine und -zwar selten- auch Weißweintrauben. Ungefähr 30-40 Behälter müssen täglich 3 Mal gestampft oder überschwallt werden, um die Extraktion von Farbe und Geschmacksstoffen zu verstärken.

 

 

Die drei Monate Arbeiten bei McLarenVintners waren sicher das körperlich anstrengendste was ich bisher gemacht habe: Eimer schleppen, Schläuche ziehen, Pumpen von A nach B wuchten, 12 Stunden in der Nacht auf den Beinen und in diesem großen Keller einiges an Distanzen und Treppenstufen laufen. Gleichzeitig war es auch eine meiner schönsten Erfahrungen. Das Team, das hier am Anfang zusammengewürfelt wurde ist am Ende sehr zusammengewachsen. Und das, was ich selbst auf Grund von Zeitmangel vom Land nicht sehen konnte, haben mir die Australier mit großer Begeisterung und bildhaften Schilderungen schmackhaft gemacht, sodass ich definitiv irgendwann gerne wieder nach ‚Downunder‘ reise.

 

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Über den Autor

…hat gerade ihre Winzerausbildung beendet und reist jetzt ein Jahr um die Welt, besucht Weinregionen, Weingüter und die Menschen, die hinter diesen Weinen stehen. …freut sich besonders auf vielseitige Erfahrungen, leckere Weine, faszinierende Natur und schöne Wanderrouten. …liebt es außerdem mit den Händen Rotweinmaische zu rühren und wird hier ihre schönsten Momente mit euch teilen !

1 Kommentar

  1. Das war eine große ‚Freude, liebe Hannah, von dir den Bericht über deine Arbeit in Australien zu bekommen. Danke! Ich bewundere dich, was für eine enorme Arbeitsleistung du dort vollbrachtest. Schön, daß ihr euch in der Gruppe gegenseitig viel gegeben habt.
    Daß du gern einmal an den Ort des Geschehens zurückkehren würdest, kann ich mir vorstellen.
    Was für ein Kontrast wird es für dich sein, wenn du ins kleine Göttingen heimkommst. Dann kommt wohl das Bundeslager der Pfadfinder, später das Studium in Geisenheim. Eine aufregende Zeit für dich.
    Wir freuen uns darauf, dich wiederzusehen.
    Großmami