Die ersten Sonnenstrahlen- Tagesbeginn am Eastcape

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„Diesen Trip machen die meisten nicht, die nur so wenig Zeit hier in Neuseeland haben. Es ist sehr rustikal am Eastcape, Schotterstraßen, Schafe und Kühe, nur wenig Leute wohnen dort und noch weniger kommen zu Besuch.“ Bei der Planung unserer Tour hörten wir diese Worte öfter, doch es hielt es uns nicht davon ab, sondern verlockte umso mehr. Einmal fernab von Touristenströmen und Camperschlangen unterwegs sein, die Ursprünglichkeit kennenlernen und das Leben Neuseelands außerhalb der Großstadt, überhaupt außerhalb von Städten oder Dörfern, so wie wir sie kennen.

In Neuseeland leben 4,6 Millionen Menschen (interessant: innerhalb der letzten 50 Jahre ist die Bevölkerung um mehr als die Hälfte gestiegen), ein Drittel davon wohnen allein in Auckland, nur 190.00 in der Hauptstadt Wellington, ein paar weitere in kleineren Städten, der Rest auf dem Land. Man kommt damit auf eine Bevölkerungsdichte von 17 Menschen /km². 14 Mal weniger als in Deutschland.

Während uns die Straße zwischen riesigen Weiden, tropischen Wäldern und an der Küste entlang führt, bekommen wir die Einsamkeit zu spüren. Nur ganz, ganz selten taucht mal ein einzelner Hof auf und wir fragen uns mehr als nur ein Mal, was genau die Familien hierher führt. Täler ohne Internetempfang und kilometerweit entfernt vom nächsten Ort. Wahrscheinlich ist es die Ruhe und gerade die Einsamkeit. Hier kann man sicher ein tolles Selbst-Versorgerleben führen und Tiere wie Menschen haben enorm viel Platz. Oft steht das Schild „Achtung Schulbus!“ am Straßenrand. Garantiert steckt eine gute Struktur dahinter.

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Trotz vielen Warnungen in Straßenkarten und Informationsbroschüren unterschätzen wir die Strecke gewaltig. Unzählige Kurven und Hügel fordern Konzentration und Zeit. Als wir in Te Araroa ankommen und die letzten 20km an der Küste auf Schotterstraße beginnen, ist es bereits dunkel. Das Meer, das direkt neben uns sein muss, ist nur noch über Geräusche und Geruch wahrzunehmen und außer ein paar beleuchteten Wohnzimmern in kleinen Hütten sind unsere Scheinwerfer die einzige Lichtquelle. Spannend! Spannend finden das auch die Kühe, die plötzlich total unerwartet vor uns stehen. Vorallem die Kälber stehen wie angewurzelt mitten auf dem Weg und starren uns an. Nicht den Hauch von Bewegungsdrang zuerkennen.

Nach einigen Kuhumkurvungsaktionen erreichen wir das Ende der Straße. Ein Motorradfahrer hat hier bereits sein Zelt aufgestellt. Bis auf das gedämpfte Rauschen des Meeres ist es still. Der Leuchtturm, den wir irgendwo über uns auf dem Hügel vermuten, lässt sein Licht über die Küste streifen, ansonsten dunkel. Niemals zuvor habe ich so einen zahlreichen, wunderschönen Sternenhimmel gesehen. Wahnsinn! So weit ist das Universum und wir dürfen teilhaben an diesem Moment, wir sind ein Teil davon.

In den frühen Morgenstunden treffen weitere Autos ein und wir besteigen den östlichsten Hügel Neuseelands, bis zu dem schönen Leuchtturm. Gemeinsam mit den anderen begrüßen wir als erste Menschen den neuen Tag. Ich liege im Gras, noch etwas dösig und verträumt und nehme alles ganz bewusst war, ich bin ganz da und sehr dankbar. Ein andächtiger Moment, es erinnert mich an Ostern, wenn man in der Nacht das neue Licht erwartet, ein Neubeginn. Und so ist jeder Tag. Jeden Tag gibt es diesen magischen Moment, wenn aus Dunkelheit Licht wird, die Vögel anfangen zu singen, es langsam wärmer wird. Nun bin ich keine Frühaufsteherin und werde nicht jeden Tag Aussicht auf die aufgehende Sonne haben, doch die Dankbarkeit, die kann ich mir mitnehmen.

 

Dankbar :)

 

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Über den Autor

…hat gerade ihre Winzerausbildung beendet und reist jetzt ein Jahr um die Welt, besucht Weinregionen, Weingüter und die Menschen, die hinter diesen Weinen stehen. …freut sich besonders auf vielseitige Erfahrungen, leckere Weine, faszinierende Natur und schöne Wanderrouten. …liebt es außerdem mit den Händen Rotweinmaische zu rühren und wird hier ihre schönsten Momente mit euch teilen !

3 Kommentare

  1. Barbara Bremer on

    Liebe Hannah!

    Wundervoll !
    Wie weit Du schon gekommen bist!
    Deine vielen Berichte sind interessant und spannend.
    Vielen Dank!
    Besonders ergreifet mich der Sonnenaufgang am Leuchtturm.
    Deine Beschreibung lässt mich die Erhabenheit des Augenblicks, lässt mich Dein Empfinden nachspüren.
    Wie ich das liebe, an Deiner Reise, an Deinem Leben teilhaben zu dürfen !
    In Liebe und Dankbarkeit
    Deine Mitti

    • Danke liebe Mitti! Ja, das war ein ganz besonderer Morgen. An dieses Gefühl von Ruhe, Neubeginn und Schönheit sollte man sich immer wieder erinnern, wenn es mal stressig oder unruhig ist. Ganz liebe Grüße, Hannah

  2. Das war ein andächtige, erhabenes Erlebnis, beim Sonnenaufgang in der Einsamkeit am Eastcape.
    Liebe Hannah, ich versuche, mich hineinzufühlen in deine Welt, und sende dir täglich in Gedanken die liebsten Grüßeö
    Großmami