Der Süden vom Norden – Weingutsbesuche in Masterton und Martinborough

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Frische Winde direkt von der Antarktis, warme, sonnige Tage im Sommer, kühle Nächte, lockere, steinige Böden: die klimatischen Bedingungen in Neuseelands Weinregion Wairarapa sind wie gemacht für den Weinanbau.

Die Weinberge Wairarapas liegen ca. 60 km von Neuseelands Hauptstadt Wellington entfernt. Ein kühles Klima herrscht hier, wird mir erklärt- ähnliche Bedingungen wie im französischen Burgund… Kühl?! Das ist kaum zu glauben, als wir gegen frühen Nachmittag an Olivenplantagen, einem fast komplett ausgetrocknetem Fluss und -wie es scheint- durchgängig bewässerten Rebanlagen vorbeifahren. Aber tatsächlich kühlt es hier selbst nach heißen Tagen wie diesem nachts bis auf 10 Grad Celsius ab- hervorragend für die Trauben, denn mit einer Summe von ca. 1000 Grad während der Vegetationsperiode werden gute Zuckergehalte und eine volle Reife der Trauben erreicht und trotzdem schmecken die Weine nicht verkocht und fad, sondern durchaus frisch, denn die traubeneigene Säure stabilisiert sich bei den nächtlichen Temperaturen. Perfekt für den Anbau von Pinot Noir!

 

Weingut Johner in Masterton

Besonders freue ich mich heute das ‚Johner Estate‘ ein paar Kilometer südlich von Masterton direkt am Flussbett des Ruamahanga River zu besuchen. Der Name kommt bekannt vor?! Ja, Familie Johner betreibt seit 30 Jahren ein Weingut am badischen Kaiserstuhl. Rebsorten und Ausbaustil lehnen sich stark an die Weinkultur des Burgunds an. Mit der Leidenschaft für rassige, intensive Rotweine und  dem Wunsch neue Regionen der Welt kennenzulernen, wurden 2001 die ersten Versuche im wunderschönen Neuseeland begonnen. Seit dem wurde das deutsche Weingut auf der anderen Seite der Welt auf 16ha Reben erweitert. Uns empfängt ein sehr nettes schweizer Paar, die nahezu das ganze Jahr in Neuseeland leben und sich mit einem kleinen Team um Reben und Keller kümmern. Sofort fällt auf, dass das Weingut anderen Ursprungs ist, als viele andere in Neuseeland. Ein klein wenig hat es seinen Versuchs-Charakter behalten. Der Wein wird in zwei großen Wellblechhallen von der Traube bis zur Flasche begleitet, ein ehemaliger Kühlcontainer dient als Kältekammer, keine prunkvolle Auffahrt, kein architektonisch besonderes Gebäude für den Empfang der Kunden, anstelle dessen ein kleiner Pavillon zum Probieren der Weine. Es ist ursprünglich, improvisiert, sympathisch. Die Weine zeigen eine feine Eleganz, schmecken kristallklar, mineralisch und vielseitig.

Beschwingt und begeistert verlassen wir das Weingut nach 3 Stunden wieder.

 

Weingut Ata Rangi in Martinborough

‚Neubeginn‘ heißt der Name des Weinguts in Martinborough übersetzt. Neubeginn, denn  1980 wandelte Clive Paton hier in Wairarapa eine Schafweide in Rebfläche- sicherlich mit dem ein oder anderem kritischen Blick seiner Kollegen. Ermutigt von der Studie, die ergab, dass das Klima in Martinborough dem des Burgunds sehr ähnlich ist, hielt er gemeinsam mit seiner Schwester und seiner Frau am Weinbau fest und entwickelte das Weingut zu einem wohl renommierten Haus mit vielen Auszeichnungen vorallem für seine Pinot noirs.

Dieser Besuch war für mich persönlich am schönsten. Kaum war ich ein paar Minuten auf dem Gelände zu Gast, fühlte ich mich schon wie zu Hause und das Verabschieden fiel mir richtig schwer- nach nur zwei Stunden Stippvisite!

Die Blätter der Eukalyptusbäume rascheln leise im warmen Sommerwind, die Sonne scheint auf den runden Platz zwischen Weinkeller und Tastingroom. Doch mehr als nur das wunderbare Wetter macht das Ambiente aus, das mich sofort gefangen nimmt. Ich kann es immer noch nicht richtig in Worte fassen, was so besonders war an diesem Besuch. Wahrscheinlich die super freundlichen Menschen. Oder die eleganten, mineralischen, schmackhaften Weine. Oder die familiäre Stimmung. Oder die Verantwortlichkeit und das Bewusstsein mit dem die Natur betrachtet wird, wie ein großes Geschenk?!

Ich treffe Helen, die Kellermeisterin. Ein spannendes, sehr informatives Gespräch entwickelt sich während wir durch das überschaubare Weingut laufen und die Weine probieren. Im Barriquelager läuft Musik- „Für den Wein oder für die Menschen?“ frage ich. – „Oh, für beide!“ ist die Antwort. Dann gehen wir gemeinsam in ein stilvolles, buntes Café zum Mittagessen, durch das der Wind fegt, wie bei einer Bar am Strand. In den letzten Jahren hat sich Martinborough von einer kleinen, rustikalen Bauernstadt in einen gehobenen, vielbesuchten und hochgeschätzten Ort verwandelt. Ata Rangi ist lange nicht mehr das einzige Weingut hier. Bei Kaffee und Couscous-Salat treffe ich Helens Mann und ihren Sohn. Zufällig kommen auch der Weingutsbesitzer Clive und seine Schwester Ali vorbei. „Hier kennt jeder jeden.“ ist der Kommentar dazu.

Als ich dann wieder in mein Auto steige und die kurvige Bergstraße nach Wellington zurück fahre, träume ich davon, einmal zur Weinlese Teil des Teams von Ata Rangi zu sein. Vielleicht.

 

 

 

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Über den Autor

…hat gerade ihre Winzerausbildung beendet und reist jetzt ein Jahr um die Welt, besucht Weinregionen, Weingüter und die Menschen, die hinter diesen Weinen stehen. …freut sich besonders auf vielseitige Erfahrungen, leckere Weine, faszinierende Natur und schöne Wanderrouten. …liebt es außerdem mit den Händen Rotweinmaische zu rühren und wird hier ihre schönsten Momente mit euch teilen !

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