Besuch bei dem traditionellen Familienweingut YALUMBA

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Nur ein kurzer Wochenendbesuch führte mich in den drei Monaten in Australien schließlich in das bekannte Weinbaugebiet im Süden- ins Barossa. Am Samstagmorgen stand ich in der Früh noch an den offenen Gärbehältern im Weingut: die Rotweinmaische musste gestampft werden. Ein paar Stunden später sitzen wir im Auto und fahren entlang weiter brauner Felder und beobachten Kängurus, die in den Sonnenuntergang hüpfen. Schön!

Ein Tag in einem Weinbaugebiet mit ca. 50 Weingütern ist natürlich viel zu wenig, trotzdem wird es zu einem genussvollen und inspirierenden Aufenthalt. Neben wunderbaren Weinen von Torbreck Vintners, Elderton und Rockford bleibt besonders der Besuch beim traditionsreichen Familienweingut YALUMBA in Erinnerung. Schon seit meiner Kindheit kenne ich das Weingut, die Weine aus dem Barossa sind die ersten, die aus Australien in das Sortiment unserer Weinhandlung aufgenommen wurden und welche der ersten, die von Übersee nach Göttingen gesendet wurden.

Die Geschichte der Weinbaukultur des Barossa begann als der britische Braumeister und spätere Gründer von YALUMBA Samuel Smith in seiner Tätigkeit als Gärtner die ersten Reben pflanzte. Es funktionierte, also erweiterte er die Rebflächen und kaufte später bestehende Anlagen zu. Seit der Gründung im Jahre 1849 wird das Weingut in der Familie geführt. Der heutige Geschäftsführer ist Robert Hill-Smith.

 

 

Von der Jungpflanze über Fassausbau zur Flaschenfüllung

Interessant und bemerkenswert an diesem Weingut ist, dass nicht nur die normale Weinherstellung vom Lesegut zum fertigen Wein auf dem Gelände YALUMBAs von Statten geht, sondern auch einige der Nebenprozesse in eigener Hand liegen. So zieht YALUMBA die eigenen Jungpflanzen in der betriebsinternen Rebschule und bestückt die eigenen wie auch fremde Rebstücke australienweit. Diese Rebschule ermöglichte ein fast zwanzig Jahre dauerndes Experiment mit der Rebsorte Viognier, dessen Wein neben den typischen Rebsorten Shiraz und Cabernet Sauvignon zum Aushängeschild des Weinguts geworden ist und zum Erfolg der Oenologin und Kellermeisterin Louisa Rose nicht unwesentlich beigetragen hat.

Eine über 100 Jahre alte Tradition hat auch die interne Fassbinderei. Das besondere Handwerk wird hier heute noch mit den alten Werkzeugen ausgeübt und kann von Interessierten bestaunt werden. Je nach Bedarf zimmert sich das Weingut ihre Fässer aus französischer Eiche und in drei verschiedenen Größen also selbst. Aus Sicht des Marketings ist die alte Halle ideal genutzt: wird mal nicht an neuen Fässern gearbeitet, kann der Besucher sich über die Geschichte der Fassbinderei informieren und unterschiedliche Fertigungen und historische Werkzeuge bestaunen.

 

 

Ebenfalls in Australien nicht unbedingt üblich ist eine eigene Abfüllanlage. Die meisten Weingüter schicken ihre fertigen Weine zu einer spezialisierten Firma oder lassen eine mobile Anlage kommen. YALUMBA hat mit diesen Bereichen ihre Produktion unter Kontrolle und ist merkbar stolz darauf.

Die lange Tradition trifft im geräumigen ‚Wineroom‘ auf erfrischende Moderne. Ideenreiche Fotografien von den eigenen Produkten, eine große Eichenholz-Theke und gemütliche Sitzecken prägen den lichten Raum.

Für mich war dies einer der eindrucksvollsten Weingutsbesuche des letzten Jahres. Einfach schön zu sehen, wie ein Unternehmen von Tradition und Familiengeschichte profitiert, darauf aufbaut und von erfrischenden, modernen Ideen geprägt ist.

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Über den Autor

…hat gerade ihre Winzerausbildung beendet und reist jetzt ein Jahr um die Welt, besucht Weinregionen, Weingüter und die Menschen, die hinter diesen Weinen stehen. …freut sich besonders auf vielseitige Erfahrungen, leckere Weine, faszinierende Natur und schöne Wanderrouten. …liebt es außerdem mit den Händen Rotweinmaische zu rühren und wird hier ihre schönsten Momente mit euch teilen !

1 Kommentar

  1. Wie schön, auch von dieser Station in Australien , und zwar aus Barossa, zu hören bzw zu lesen! Danke!
    Tolle Bilder und ein überzeugender Text erfreuen mich.
    Großmami